Die Trauerrednerin stellt sich vor

Nie erfahren wir unser Leben stärker, als in großer Liebe und in tiefer Trauer.
Rainer Maria Rilke

Nun, ich liebe das Leben, doch ich respektiere auch den Tod, denn er ist ein Teil unseres Daseins, ob wir das wollen oder nicht.

Das war allerdings nicht immer so. Erst jagte mich der Tod ins Leben, in die Glücksforschung und ich sammelte Erfahrungen als Lebensfreude-Expertin. Ehe ich lernen durfte, dass es sich ohne ihn, die Trauer, das Anerkennen und Bearbeiten von Verlusten nicht gut leben lässt. Und, dass wahres Glück und Lachen, Trauer und Weinen erst gemeinsam das Leben wirklich bunt und wunderbar machen!

Das Leben und der Tod haben mich herangeführt an meine Aufgabe als Trauerrednerin, behutsam und sanft und doch unverhandelbar, durch das Begleiten und Verabschieden meiner lieben Freundin, und meines Seelenvaters. Nicht ich habe es gewählt, das Thema hat sich mich ausgesucht.

Als ich Walter Müller, dem begnadeten Salzburger Schriftsteller begegnen durfte, dem Vater aller Trauerredner, dem unvergleichlich talentierten Meister der Worte, dem Menschenfreund und zauberhaften Geschichtenerzähler,
hat alles seinen Lauf genommen. Walter traute mir diese neue Aufgabe zu, als Mentor ermutigte er mich, meine eigene Handschrift und Gabe für diese Tätigkeit zu entwickeln. Danke, lieber Walter, ohne dich und deine liebevolle feinfühlige Geburtshilfe, wär nie die Trauerrednerin aus mir geworden.

Die Ausbildung zur Hospiz- und Trauerbegleiterin und die Arbeit als Ehrenamtliche, schafften eine gute Basis. Mein Wissen erweiterte ich in Familientrauerbegleitung, Krisenintervention, Familiensystemisches und durch viele zusätzliche Seminare und umfangreiches Literaturstudium.

Durch die positiven Rückmeldungen der Angehörigen und die große Nachfrage ermutigt, wurde die Trauerrednerin zu meinem Hauptberuf(ung) und zu meiner Herzensangelegenheit. Mein persönlicher Anspruch ist es, in den schwersten Stunden die wir wohl alle durchleben müssen, an der Seite der Angehörigen zu stehen und ihnen ein gutes Lebewohl zu ermöglichen.

Wenn ein Mensch auf die Zielgerade einbiegt, erlebe ich verschiedenste Szenarien. Sie reichen von liebevoll begleiteten, rund um die Uhr umsorgten und in Geborgenheit gehüllten letzte Momente, bis hin zu unfassbar großem hinterlassenen Chaos, das Hinterbliebene mit in den Abgrund reißt und ihre Trauer multipliziert.

Manchmal überholt der Tod auch das Leben - Dann komme ich zu den Menschen, bin da im Leid. Da, um Worte zu finden, fürs Fühlen, wenn ihnen die Stimme versagt und die Kehle zugeschnürt ist. 

Abschied ist mein Beruf

Ein letztes Mal werden die Verstorbenen lebendig gedacht, ja schön gemacht, mit Worten ein wahrhaftiges Bild der Verstorbenen gezeichnet. Damit gibt es die Möglichkeit einen Rahmen zu schaffen, in dem sich jeder willkommen fühlt.

Die Trauerfeier ist ein kleines Loch in der Zeit, ein An- und Innehalten, ein Ort des Suspendierens. Wo man loslassen kann vom geschäftigen Alltag und trauern darf, während die Welt sich draußen weiterdreht. Hier wird um viele Tode, Abschiede und Verluste getrauert. Ventile, Schleusen und Seelentore dürfen sich öffnen, weit, wann sonst im erfolgsgestressten Leben bleiben sie doch meist fest verschlossen.

Mit drei Kindern und einem durch und durch mütterlichen Wesen, als warmherzige Frau, bin ich gut in der Lage menschliche Gesten zu zeigen, Geborgenheit zu vermitteln und eine Umarmung zu schenken, wenn es in der Not gebraucht wird.

 

Es kommt in der Welt vor allem auf die Helfer an – und auf die Helfer der Helfer.
Albert Schweitzer


Deshalb bin ich unendlich dankbar, eine starke Familie und meinen Mann, im Rückhalt zu haben, die viel Mittragen und diesen Weg begleiten können.

Das Ding ist: Egal an was man glaubt, ob an Gott, an Schicksal, den Zufall, ans Universum oder an eine höhere ordnende Kraft, die mir irgendetwas sagen will: Ich glaube an die Liebe.

Unverbesserlich, in jedem Fall und unbedingt. Ebenso daran, dass auch ein beschädigtes Herz wieder lieben kann. Darum ist es sehr entscheidend, welche Form des Trauerprozesses und des Abschiednehmens wir wählen.

Ich habe angefangen, eine Beziehung zum Tod zu entwickeln. Auch wenn er mich oft erschrocken hat, doch er nimmt mich immer wieder in die Pflicht zu leben. Wir müssen das Leben in allen Facetten zulassen und manchmal auch aushalten.
Ganz nach dem Motto: Du stirbst also beginne zu leben.

Ihnen allen wünsche ich noch ein gutes Leben!